UMDNS

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Herkunft und Erscheinungsjahr

Das Universal Medical Device Nomenclature System wurde 1971 vom ECRI (Emergency Care Research Institute) in den USA entwickelt und 1996 von emtec e.V. (Institut für Beratung, Fortbildung und Technologien im Gesundheitswesen) ins Deutsche übertragen und zusätzlich mit 13.000 Synonyme zu den 5.000 Hauptdeskriptoren überarbeitet. Dabei handelt es sich um die Übersetzung des Product Categories Thesaurus (1996) des UMDNS. Das DIMDI gibt die deutschsprachigen Versionen im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit heraus. Seit 1996 existiert die Version 1.0, seit 1998 die Version 1.1.

Verwendungszweck

Die Nomenklatur UMDNS wird zur Verschlüsselung von Medizinprodukten eingesetzt und umfasst im Wesentlichen alle Medizinprodukte und Produkte aus verwandten Bereichen wie z.B. Krankenhausmöbel und Informationssysteme im Krankenhaus. Das Medizinproduktegesetz (MPG) verlangt eine einheitliche Nomenklatur für die Anzeige von Medizinprodukten. Das Europäische Komitee für Normung (CEN) empfiehlt hierfür die Verwendung von UMDNS, bis einen einheitliche europäische Nomenklatur vorliegt.

UMDNS soll insbesondere zur Verschlüsselung von Medizinprodukten bei der Anzeige der klinischen Prüfung (§17 Abs. 6 MPG), der allgemeinen Anzeigepflicht (§25 MPG), der Mitteilung der Sicherheitsbeauftragten (§31 Abs. 4 MPG) sowie den Meldungen und Berichten von Vorkommnissen und Beinahe-Vorkommnissen im Rahmen der Abwehr von Risiken aus Medizinprodukten (§§29 u. 30 MPG) eingesetzt werden.

Aktuelle Version

Die erweiterte Version 1.1., herausgegeben durch das DIMDI, enthält vollständig und unverändert alle deutschen Hauptbegriffe der Version 1.0. Darüber hinaus wurden deutsche Synonyme ergänzt. Beide Versionen können nebeneinander angewendet werden. Die englische Fassung findet man beim ECRI, dem US-amerikanischen Herausgebern des UMDNS. Bei Begriffen, deren Bedeutung bis zur jeweiligen Auflage der übersetzten Nomenklatur nicht zu klären war, wurden zunächst die englischen Begriffe übernommen. Das ECRI vergibt für neu aufgenommen Nomenklaturbegriffe jährlich einen fortlaufenden neuen Code.

Internationale und nationale Verwendung

UMDNS wird national und europaweit zur Bezeichnung von Medizinprodukten empfohlen und kommt weltweit in verschiedenen Sprachen zur Anwendung.

UMDNS soll, sobald eine deutsche Übersetzung vorliegt, von der Global Medical Device Nomenclature (GMDN) abgelöst werden.

Aufbau (mit Beispielen)

Die 5.000 Hauptbegriffe liegen in alphabetischer Reihenfolge vor und sind mit einem 5-stelligen Code verknüpft, mit dem der UMDNS-Hauptbegriff eindeutig identifizierbar ist.


Beispiel: Kanüle, Absaugung (10-566)

Eine Systematik liegt den Codes bzw. der Nomenklatur UMDNS nicht zugrunde. Innerhalb der alphabetischen Sortierung sorgt eine gewisse Struktur dafür, dass "untergeordnete Begriffe" aus dem dazugehörigen "Oberbegriff", z.B. Katheter (10-685), gefolgt von einer Spezifizierung gebildet werden:


Beispiel:   Katheter, Angioplastie (17-183)

Katheter, kardial, ventrikulär (17-613)


Zusammengehörige Bezeichnungen stehen im Alphabet untereinander. Allerdings ergeben sich dadurch gelegentlich Begriffe, die nicht immer dem üblichen Sprachgebrauch entsprechen.

In der Version 1.1 von 1998 wurden ca. 13.000 gängige deutsche Synonyme für Medizinprodukte alphabetisch ergänzt, um das Auffinden von Hauptbegriffen zu erleichtern. Die Synonyme besitzen keinen Code. Zu einem Hauptbegriff kann es mehrere Synonyme an verschiedenen Stellen im Alphabet geben


Beispiel:   Adenotomie-Messer (-)

siehe Messer, Adenotom
...
BECKMANN-Ringmesser (-)
siehe Messer, Adenotom
...
Fenstermesser (-)
siehe Messer, Adenotom


Querverweise von einem Synonym zu einem Hauptbegriff zeigen den vorhandenen Hauptbegriff in der Nomenklatur an. Darüber hinaus können auch Hauptbegriffe Querverweise besitzen, die auf andere relevante Begriffe aufmerksam machen:

  • Siehe auch spezifischere Begriffe
  • Siehe verwandte Begriffe
  • Siehe auch spezifischere Begriffe, siehe verwandte Begriffe
  • Verwende spezifischere Begriffe.
Folgende Regeln existieren für die Verschlüsselung:
  1. Pro Medizinprodukt ist nur ein Nomenklaturbegriff zu vergeben.
  2. Nur codierte Begriffe dürfen verwendet werden.
  3. Der spezifischste Begriff ist für das zu indexierende Medizinprodukt zu verwenden.
  4. Häufig gibt es bei einer Gruppe von Unterbegriffen einen mit dem Zusatz "sonstige". Dieser ist einzusetzen, wenn kein anderer spezifischer Begriff vorhanden ist.
  5. Ist ein Begriff "..., sonstige" nicht vorhanden, wird der "Oberbegriff" benutzt.
  6. Für ein und dasselbe Medizinprodukt ist immer der gleiche Nomenklaturbegriff zu vergeben.

Anhand des Beispiels „Diagnostik-Ultraschallgerät“ verdeutlicht folgende Abbildung die Codier-Systematik:

Abbildung 1: Codier-Systematik von UMDNS

UMDNS kann als XML-Format, Text, Excel-Tabelle und anderen Formaten entsprechend den Anforderungen des IT-Systems übertragen werden.

Lizenzkosten

Die Versionen 1.0 und 1.1 sind kostenfrei als Beispieldatensatz und als Gesamtbestand im ASCII-Format im Downloadcenter Klassifikationen beim DIMDI erhältlich. Eine Verschlüsselungssoftware wird nicht angeboten. [1][2][3]

Einzelnachweis

  1. DIMDI. Klassifikationen, Terminologien, Standards, UMDNS, Aufbau und Anwendung. Abgerufen am 01. Februar 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/umdns/aufbau.htm
  2. emtec. emtec e.V. Institut für Beratung, Fortbildung und Technologien im Gesundheitswesen. Abgerufen am 01. Februar 2013 von http://emtec.de/index.php
  3. emtec. Benutzerhandbuch. Abgerufen am 01. Februar 2013 von http://www.emtec.de/Downloads/dl_produkte/UMDNS_Benutzerhandbuch.pdf