Semantik

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Einleitung

Die effiziente Behandlung von Patienten erfordert eine möglichst optimale Verfügbarkeit von medizinischen Ver- und Gebrauchsgütern zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort. Die dazugehörigen Austausch- und Beschaffungsprozesse sind komplex und durch eine Vielzahl von Akteuren und Softwaresystemen gekennzeichnet. Daher benötigt die nötige Qualitätssicherung seitens der Akteure einen hohen Zeitaufwand. Die Ursachen für Fehler, z. B. im Bereich der Arzneimittelversorgung sind oftmals nicht einfach zu erkennen: Es gibt nur unzureichende (elektronische) Informationen über Art, Menge und Zeit der Verabreichung. Insbesondere sind Fehler in der Dosierung und der Verordnung und Verabreichung (Medikationsfehler) diese, welche schwere Komplikationen mit damit verbunden Qualitätsverlusten in der Behandlung und dementsprechende Kosten verursachen. Medikationsfehler werden meist durch Medienbrüche in der Dokumentation und hier wiederum durch die handschriftliche Verarbeitung der Verordnungen erzeugt. Bei der Stationsversorgung werden die Anweisungen des Arztes am Patientenbett in einem Verordnungsbogen handschriftlich dokumentiert. Das Pflegepersonal überträgt diese Anordnungen im Anschluss in die Patientenakten. Bei einer Unterstützung mit EDV inkl. standardisierten Medikationslisten und den zugehörigen Schnittstellen würden diese Fehler nicht auftreten. Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und Kontraindikationen würden unverzüglich erkannt. Gerade durch nicht vorhandene Standards und Terminologien und fehlende EDV-Einbindung können demnach in diesem Prozess Fehler entstehen und Menschenleben gefährdet werden. Falsche Bezeichnungen, fehlerhafte Identifikatoren und ineffiziente Prozesse verhindern oft den reibungslosen Ablauf. Diese „semantische Interoperabilität“ ist die Basis für die elektronische Kommunikation zwischen den Gesundheitsdienstleistern. Durch die Entwicklung und eine konsequente Nutzung von eStandards, die den gesetzlichen als auch Datenschutzbedingungen genügen, werden die Arbeitsabläufe in den verschiedenen klinischen Bereichen unterstützt. Die eStandards stellen für die beteiligten/eingesetzten IT- Systeme der Akteure die Basis für die erforderliche Interoperabilität sicher.

Innerhalb des Arbeitspaktes 6 werden diese eStandards mit dem Ziel der Herstellung der semantischen Interoperabilität identifiziert und bereitgestellt. In diesem Kontext werden die gewählten Standards als Terminologien (aus dem Bereich ehealth und ecommerce je nach deren Ursprung) bezeichnet. Dadurch ist die semantisch eindeutige Benennung von Entitäten möglich. Eine Notwendigkeit besteht in der Harmonisierung dieser Technologien durch die Bereitstellung und Entwicklung von Technologien und Methoden (Terminologie-Alignment). Bestehende Terminologie-Management-Systeme werden evaluiert und ein Maßnahmenkatalog zur Weiterentwicklung eines bestehenden Terminologie-Management-Systems erstellt. Im nächsten Arbeitsschritt erfolgt die Terminologieauswahl, -beschaffung und -evaluation. Auf Basis dieser Erkenntnisse werden Value Sets definiert, die für spezifische Anwendungsfälle zum Einsatz kommen sollen. Im letzten Arbeitsschritt erfolgt die Bereitstellung der Terminologien für IHE Implementierungsleitfäden und Unternehmen. Die definierten Ziele des Arbeitspaketes 6 lauten:

  • Anforderungskatalog an ein Terminologie-Managementsystem
  • Evaluationsbericht Terminologie-Management und Maßnahmenkatalog
  • Terminologie-Management System auf Basis von CTS2
  • Anwendungsspezifische Terminologien mit Value Set-Bildung
  • Mapping-Tabellen und System von Kreuzreferenzen („Referenzsystem“) für alle in Frage kommenden terminologischen Ressourcen

 

Evaluation bestehender Terminologie-Management-Systeme, Terminologieauswahl, -beschaffung und evaluation

Hintergrund

Für den effizienten Aufbau und die spätere Nutzung eines Terminologie-Management-Systems müssen zu Beginn relevante Terminologien identifiziert und anschließend bereitgestellt werden Über diese Vorgehensweise ist die semantisch eindeutige Benennung von Entitäten möglich. Die darüber sichergestellte semantische Interoperabilität stellt die Basis für die „elektronische Kommunikation“ zwischen den Gesundheitsdienstleistern dar. Die eCommerce Prozesse zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen sind gekennzeichnet durch die Heterogenität dieser teils freien und teils kommerziellen, proprietären, nationalen und international gültigen Terminologien. Eine Notwendigkeit besteht deshalb in der Harmonisierung dieser Technologien durch die Bereitstellung und Entwicklung von Technologien und Methoden (Terminologie-Alignment).

 

Theorie

Zu Beginn der Arbeiten werden bedeutenden Begrifflichkeiten im Kontext der Arbeit mit Terminologien herausgestellt. Im Sinne des eindeutigen Verständnisses aller Akteure ist dieses Vorgehen von zentraler Bedeutung.

Zu den Fachbegriffen zählen:

  • Semantik: Die Semantik (Bedeutungslehre) ist das Teilgebiet der Sprachwissenschaft (Linguistik), das sich mit Sinn und Bedeutung von Sprache beziehungsweise sprachlichen Zeichen befasst. Die Semantik kümmert sich um die Frage, wie Sinn und Bedeutung von komplexen Begriffen aus denen von einfachen Begriffen abgeleitet werden können und stützt sich dabei in der Regel auf die Syntax.[1]
  • Semantische Interoperabilität: Semantische Interoperabilität soll den fehlerfreien Datenaustausch zwischen Computersystemen ermöglichen und dabei die korrekte Interpretation in Bezug auf die inhaltliche Bedeutung der empfangenen Information garantieren.[2] Semantische Interoperabilität basiert auf der Bedeutung dessen was erreicht werden soll:
    • Indirekt über die syntaktische Interoperabilität mit einem Vermittler
    • Über einen gemeinsamen Sprachschatz (Referenzmodell, Ontologie)[3]
    Abbildung 1: Semantische und Syntaktische Interoperabilität[3]
  • Terminologie: Gesamtheit aller Begriffe und Benennungen in einem Fachgebiet, Fachwortschatz. Das zugehörige Regelwerk wird als Nomenklatur bezeichnet.
  • Klassifikation: Planmäßige Sammlung von abstrakten Klassen (auch Konzepten, Typen oder Kategorien), die zur Abgrenzung und Ordnung verwendet werden. Die zugehörige Hierarchie wird als Taxonomie bezeichnet.
  • Ontologie: Bei der Ontologie handelt es sich um eine Wissensrepräsentation mit Zusammenhängen[4]
  • Katalog: Übersichtliche, meist nach bestimmten Strukturen gegliederte, listenartig darstellbare Anordnung von Informationen.
  • Value Sets: Auswahl von Konzepten (Katalogen) für bestimmte Anwendungen
  • Identifikation: Vergabe eines eindeutigen Kennzeichens oder Identifikators
  • Produkt-Identifikation: Vergabe eines eindeutigen Kennzeichens an ein Produkt oder einen Behälter mit Informationen über dessen Inhalt, Handhabung, Hersteller und Anwendungsrisiken


Innerhalb der verschiedenen Terminologie-Standards lassen sich die folgenden Ebenen, mit jeweiligen Beispielen für Vertreter, differenzieren und in eine Ordnung bringen:

  • Terminologien: ICD, Snomed CT, LOINC
  • Value Sets: Blutgruppen, Impfungen
  • Katalogaustauschstandards: ClaML
  • Identifikationsstandards: GS1
  • Funktionale Anforderungen an TMS: CTS 2
  • Konzeptstandards: Metadaten: ISO/DTS 17439
  • Austauschformate: HL7 XML, FHIR, GS1 XML, SVS (IHE)

 

Der folgende Schritt besteht nun in der Harmonisierung der in Frage kommenden elektronischen Standards aus den Bereichen eHealth und eCommerce. Die zentrale Aufgabe besteht in der Betrachtung der Meta-Ebene durch die Nutzung vorhandener, gängiger Terminologien; nicht durch die Konstruktion einer neuen spezifischen Terminologie.

Dieses Ziel soll über die Verwendung eines Terminologie-Management-Systems (TMS) ermöglicht werden. Das TMS verwaltet unternehmensspezifische Benennungen. Es ermöglicht allen beteiligten Abteilungen, auf die aktuelle Terminologie zuzugreifen und sich an der Festlegung neuer Benennungen aktiv zu beteiligen.[5] Das TMS ermöglicht sowohl ein Mapping von Begrifflichkeiten untereinander als auch ein auch Mapping von Begrifflichkeit auf Identifikatoren.

Relevante Auswahlkriterien für ein passendes Terminologie-Management-System sind Terminologie-Verwaltung, Terminologie - Extraktion und Terminologie –Kontrolle. Die jeweiligen Auswahlkriterien können jeweils weiter differenziert werden und enthalten die folgenden Anforderungen:

  • Terminologie-Verwaltung
    • Unterteilung in die Ebenen Begriff, Sprache und Verwaltung
    • Die Aufbereitung erfolgt
      • begriffsorientiert (Orientierung an Gegenständen und/oder Sachverhalten, Abkürzungen, Synonyme)
      • benennungsautonom (erlaubte und verbotene Benennungen)
    • Unterstützung bei der Begriffserfassung
    • Kommentar- und Term-Vorschlagsfunktion
    • Toleranz von Tippfehlern
    • Anzeige verwandter Bezeichnungen (Trunkierung)
    • Filterfunktion
    • Verfügbarkeit von Statistiken
    • Unterstützung zentraler Datenhaltung und –pflege
    • Web-basiertes System mit Online-Zugriff
  • Terminologie-Extraktion
    • Schnellere Erfassung von Benennungen, wenn das TMS diese aus bestehenden Dokumenten extrahieren kann
    • Analyse eines unternehmensspezifischen Sprachgebrauchs
    • Welche Formate unterstützt das System beim Import und Export (z. B. CSV)
  • Terminologie-Kontrolle
    • Das System verfügt über qualitätssichernde Maßnahmen
    • Bildet firmenspezifische Qualitätssicherungsprozesse ab
    • Umfangreiche Rollen- und Rechteverwaltung
    • TMS soll in den Redaktionsalltag der Autoren eingebunden werden
    • Plug-Ins für die Redaktionsumgebung der Zielgruppe[6]

 

Um den Anforderungen des Projektes Standard eCG zu genügen wird ein TMS auf Basis von Common Technology Services (CTS) 2 benötigt. Bei CTS handelt es sich um eine Spezifikation für Terminologie-Dienste und einen sogenannten Health Information Modeling Standard. CTS bietet ein Interface für Terminologie-Server und definiert die Semantik, Syntax sowie gültige Interaktionen die auftreten können. CTS ist somit eine „blueprint“ für Software. CTS 2 unterstützt die Suche, Definitionen, Veröffentlichungen verschiedener Datenformate und Pflege- und Revisionsfunktionalitäten. CTS 2 spezifiziert Klassenmodell und Dienste:

  • Klassenmodell: Verwaltung von Konzepten, Beziehungen, Mappings, Value Sets
  • Dienste: Verwaltungsfunktionen, Suchfunktionen, Mapping-Funktionen, Datenpflegefunktionen

Im Folgenden wird in Anlehnung an die Struktur des AP1 „Analyse der internationalen Stan-dards“ der Standard CTS näher erläutert:

 

CTS (Common Terminology Services)

Herkunft und Erscheinungsjahr

Die Spezifikation Common Terminology Services ist ein im Jahr 2005 von HL7 entwickelter Standard und wurde zertifiziert in ISO 27951 (HL7 CTC Gemeinsame Terminologie Dienste).

Verwendungszweck

CTS in eine HL7 OMG Spezifikation für Terminologie-Dienste und ein sogenannter Health Information Modeling Standard. OMG steht für Object Management Group und ist ein Konsortium, das herstellerunabhängige, systemübergreifende Standards für die Objektorientierte Programmierung entwickelt. CTS definiert ein Application Programming Interface (API), das von der HL7 Version 3-Software genutzt werden kann.

CTS bietet ein Interface für Terminologieserver. Ein Terminologieserver stellt Terminologien in Form von kontrollierten Vokabularen oder in Form von Ordnungssystemen wie Klassifikationen für Benutzer bzw. Anwendungssysteme maschinenlesbar zur Verfügung und unterstützt so die semantische Interoperabilität.

CTS ist kein kompletter Terminologie Service. Der Standard definiert die Semantik, Syntax und gültige Interaktionen die auftreten können und ist somit eine „blueprint“ für Software.

Aktuelle Version

Derzeit ist das zweite Release aktuell, das 2009 als Draft Standard herausgegeben wurde.

Internationale und nationale Verwendung

CTS ist ein internationaler Standard, der sowohl von Terminologieserver-Nutzern als auch Providern genutzt wird und im Rahmen der Semantischen Interoperabilität eine wichtige Rolle spielt.

Aufbau (mit Beispielen)

Die CTS-Spezifikation wurde als Alternative zu den herkömmlichen Datenstrukturen aufgebaut.

CTS 2 spezifiziert Klassenmodell und Dienste:

Klassenmodell

  • Verwaltung von Konzepten
  • Beziehungen
  • Mappings
  • Value Sets.

Dienste:

  • Verwaltungsfunktionen „Administration“: Import und Export von Terminologien.
  • Suchfunktionen „Search“: Retrieval zu Vokabularen, Begriffen, Beziehungen und Value Sets.
  • Mappingfunktionen „Association“: Beziehungen zwischen Begriffen sowie Cross-Mapping
  • Datenpflegefunktionen „Authoring“: Pflege von Vokabularen, Begriffen, Beziehungen und Value Sets.

CTS 2 unterstützt die Suche, Definitionen, Veröffentlichungen verschiedener Datenformate und Pflege- und Revisionsfunktionalitäten. Der Client kann den Terminologie-Service abrufen ohne die interne Datenstruktur zu kennen. Sender und Empfänger sind unabhängig voneinander.

Es gibt zwei Schichten zwischen HL7 Version 3 Message Processing Application und dem Zielvokabular. Die höhere Schicht, die Message API (Application Programming Interface), kommuniziert mit der Datentransfer-Software. Die untere Ebene, die Vocabulary API, kommuniziert mit der Terminologiesoftware.

Abbildung 2: CTS Message API und Vocabulary API
Lizenzkosten

Da CTS ein Standard von HL7 ist, kann er durch Erteilung von Lizenzen seit dem ersten Quartal 2013 kostenlos implementiert werden.[7] [8] [9] [10] [11]

Methodik

Die Festlegung relevanter Terminologien die in das TMS eingepflegt werden sollen erfolgt im konstruktiven Austausch mit allen Projektpartnern (Fachleute aus den Bereichen eHealth und eCommerce). Im Rahmen eines Workshops werden die in Frage kommenden Standards hinsichtlich ihrer Eignung und Wichtigkeit diskutiert und bewertet. Das Ergebnis der Arbeit soll in einer übersichtlichen Tabelle mit den folgenden Kriterien dargestellt werden:

  • Name der Terminologie: Z. B. ecl@ss oder LOINC
  • Relevanz: An dieser Stelle wird eine Klassifizierung der Standards vorgenommen und die folgende Abstimmung gewählt:
    • Relevanz hoch: 3 → muss zwingend implementiert werden
    • Relevanz mittel: 2 → kann ggf. implementiert werden
    • Relevanz niedrig: 1 → muss nicht zwingend oder an anderer Stelle implementiert werden
  • Cluster: Abstammung der Terminologie
    • Bereich eHealth: Kürzel EH
    • Bereich eCommerce: Kürzel EC
  • Verfügbarkeit: Erhältlichkeit der Terminologie mit Quelle und ggf. Bedingungen
  • Mapping: Aussagen über bereits bestehende oder vorhandene Terminologie-Mappings
  • Begründung für die Verwendung: Z.B. gesetzliche Vorgabe
  • Lizenzkosten

 

Nach Festlegung der in Frage kommenden Terminologien, Klassifikationen und Kataloge werden diese in das TMS der Firma AVERBIS eingepflegt.

 

Ergebnisse

Das Ergebnis der Arbeit wird in den folgenden Grafiken veranschaulicht:

Bereich eHealth-Terminologien

Name Relevanz Cluster
ICD-10-GM 3 EH
ICD-O-3 2 EH
OPS 3 EH
G-DRG 2 EH
ICF 1 EH
LOINC 2 EH
SNOMED CT 3 EH
ATC/DDD 3 EH
UCUM 3 EH
AMIS 0 EH
ABDA 3 EH
GoÄ 1 EH
GOZ 1 EH
KTL 1 EH
Heil- und Hilfsmittel 3 EH,EC
EBM 1 EH
MeSh 3 EH
UMLS 3 EH
Alpha-ID 3 EH
PZN/PPN 3 EH,EC
ASK 1 EH

Tabelle 1: eHealth Terminologien für das TMS

 

Für den Bereich der eHealth-Terminologien werden die folgenden Terminologien mit der Relevanz 3 (hoch) bewertet, welche zwingend in das TMS implementiert werden müssen:

  • ICD 10 GM
  • OPS
  • SNOMED CT
  • ATC/DDD
  • UCUM
  • ABDA
  • UMLS
  • MeSH
  • Heil- und Hilfsmittelkatalog/GKV
  • Alpha-ID
  • PZN/PPN

 

Eine Verwendung dieser Standards im TMS ergibt sich insbesondere aus gesetzlichen Vorgaben, umfassender Literaturanalyse sowie der Expertenmeinung. Die wichtigsten Fakten der zutreffenden Terminologien werden an dieser Stelle kurz erläutert:

ICD 10 GM: Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification (ICD-10-GM) ist die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung in Deutschland. Seit dem 1. Januar 2013 ist die ICD-10-GM in der Version 2013 anzuwenden. Die Diagnosenklassifikation ICD-10-GM gibt das DIMDI im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit heraus, sie ist gemeinfrei. Ihre Anwendung erfolgt im stationären Bereich gemäß § 301 SGB V und im ambulanten Bereich gemäß § 295 SGB V. Die ICD-10-GM hat zwei Teile:

  • Systematisches Verzeichnis (Systematik), bestehend aus der eigentlichen Systematik, also der hierarchisch geordneten Liste der Kodes, und ergänzenden Informationen: Der Vorspann enthält eine Anleitung zur Verschlüsselung und einen Kommentar mit den wichtigsten Änderungen gegenüber der Vorgängerversion. Im Anhang finden Sie die Morphologie der Neubildungen und einige Testverfahren, um Funktionseinschränkungen festzustellen.
  • Alphabetisches Verzeichnis (Alphabet) mit einer umfangreichen Sammlung verschlüsselter Diagnosen aus dem Sprachgebrauch in der ambulanten und stationären Versorgung. Es wurde bis zur Version 2004 der ICD-10-GM als ICD-10-Diagnosenthesaurus bezeichnet.

Die ICD-10-GM ist eine wichtige Grundlage für das pauschalierende Entgeltsystem G-DRG. Es wird im Auftrag der Selbstverwaltungspartner im Gesundheitswesen vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) bereitgestellt und in der stationären Versorgung eingesetzt. Auch die Vergütung der ambulanten Behandlung nach EBM und der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich benötigen nach ICD-10-GM kodierte Behandlungsdiagnosen.[12]

 

OPS: Der Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) ist die amtliche Klassifikation zum Verschlüsseln von Operationen, Prozeduren und allgemein medizinischen Maßnahmen im stationären Bereich und beim ambulanten Operieren. Seit dem 1. Januar 2013 ist der OPS in der Version 2013 anzuwenden. Das DIMDI gibt den Operationen- und Prozedurenschlüssel OPS im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit heraus, er ist gemeinfrei. Die Anwendung erfolgt im stationären Bereich gemäß § 301 SGB V, im Bereich des ambulanten Operierens gemäß § 295 SGB V.

Der OPS besteht aus zwei Teilen:

  • Systematisches Verzeichnis (Systematik) aus der eigentlichen Systematik, also der hierarchisch geordneten Liste der Kodes, und ergänzenden Informationen: Der Vorspann enthält Hinweise zur Benutzung sowie einen Kommentar mit den wichtigsten Änderungen gegenüber der Vorgängerversion. Im Anhang finden Sie Anleitungen, um Aufwandspunkte für die intensivmedizinische Komplexbehandlung zu berechnen, und die Pflegekomplexmaßnahmen-Scores (PKMS).
  • Alphabetisches Verzeichnis (Alphabet) mit der alphabetisch geordneten Liste nahezu aller in der Systematik enthaltenen Operationen und Prozeduren (jeweils mit zugehörigem Kode) und einer Einführung zum Alphabet.

Der OPS ist eine wichtige Grundlage für das pauschalierende Entgeltsystem G-DRG. Es wird im Auftrag der Selbstverwaltungspartner im Gesundheitswesen vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) bereitgestellt und in der stationären Versorgung eingesetzt. Für die Vergütung der ambulanten Operationen nach einheitlichem Bewertungsmaßstab (EBM) werden Operationen und Prozeduren ebenfalls nach OPS kodiert. Auch die Qualitätsberichte der Krankenhäuser basieren auf OPS-kodierten Operationen.[13]

 

SNOMED CT: Die Sytematic Nomenclature of Medicine –Clininal Terms ist eine der bedeutendsten und umfassendsten medizinischen Terminologien. SNOMED CT beinhaltet mehr als 311.000 eindeutig identifizierte, logisch definierte sowie hierarchisch angeordnete Begriffe. Klinische Informationen können darüber einheitlich und umfassend elektronisch abgebildet und ausgetauscht werden. Im Jahr 2007 wurden die SNOMED CT-Eigentumsrechte von der CAP an die International Health Terminology Standards Development Organization (IHTSDO) übertragen, der fortan auch die Pflege der Terminologie obliegt. Der übergeordnete Nutzen von SNOMED CT besteht in der Sicherstellung eines möglichst sicheren elektronischen Austausches eindeutiger medizinischer Informationen zwischen allen relevanten Akteuren. SNOMED CT realisiert z. B. Verbindungen innerhalb der klinischen Wissensbasis, Informationsrückgewinnung sowie Datengewinnung und Datenanalyse zu Forschungszwecken. In diesem Zusammenhang besteht die Möglichkeit, ein Mapping medizinischer Begriffe zu weiteren international genutzten Standards durchzuführen. Über die Thematik der Patientenbehandlung hinaus ermöglicht eine Aufbereitung von Daten via SNOMED CT Untersuchungen zu den Bereichen Entscheidungsfindung, Reporting oder gesundheitsökonomischer Evaluationen.

SNOMED CT basiert grundsätzlich auf 3 verschiedenen Komponenten:

  • Konzept (concept): Jedes Konzept besitzt einen universellen numerischen Code (conceptidentifier). Die Konzepte sind hierarchisch organisiert; von übergeordnet bis hin zu spezifisch. Momentan existieren über 300.000 Ausdrücke in SNOMED CT. Den Konzepten untergeordnet existieren insgesamt ca. 800.000 Begriffe (terms).
  • Bezeichnung (description): Bezeichnungen verbinden ähnliche klinische Begriffe und Ausdrücke. Ein Ausdruck kann verschiedene Bezeichnungen beinhalten bzw. ansprechen (Synonyme).
  • Beziehung (relationship): Beziehungen verbinden wiederum Bezeichnungen, ggf. von einem niedrigerem zu einem höheren hierarchischen Level, z. B. über semantische Bedeutungen wie die „ist eine“ – Beziehung. Es existieren über 60 verschiedene Klassen von Beziehungen.

Die Nutzung von SNOMED CT in Software-Anwendungen ist grundsätzlich gebührenpflichtig und bedarf einer speziellen Lizenz, die auf verschiedene Wege zu beziehen ist.[14]

 

ATC/DDD: Die ATC-Klassifikation ist eine amtliche Klassifikation für pharmakologische Wirkstoffe: Wirkstoffe werden nach dem Organ oder Organsystem, auf das sie einwirken, und nach ihren chemischen, pharmakologischen und therapeutischen Eigenschaften in verschiedene Gruppen eingeteilt. Den Wirkstoffen ist eine definierte Tagesdosis (DDD) zugeordnet. Diese DDD ist die angenommene mittlere tägliche Erhaltungsdosis für die Hauptindikation eines Wirkstoffes bei Erwachsenen. Das ATC/DDD-System gewährleistet für die Präparate einen einheitlichen Bezug zur Angabe von Tagestherapiekosten und erleichtert Vergleiche zwischen Arzneimitteln. Dabei dienen die Tagesdosen als Hilfsgröße. Sie entspricht nicht notwendigerweise der empfohlenen, zugelassenen oder im individuellen Fall angewendeten Dosierung eines Arzneimittels. Dies gilt analog auch für die auf dieser Basis errechneten Tagestherapiekosten, die ebenfalls lediglich eine grobe Hilfsgröße darstellen. Das DIMDI gibt seit 2004 im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit jährlich neu die amtliche Fassung der ATC-Klassifikation mit definierten Tagesdosen gemäß § 73 Abs. 8 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) heraus. Die gesetzliche Regelung in § 73 Abs. 8 SGB V sieht vor, dass die ATC-Klassifikation mit definierten Tagesdosen bei Bedarf an die Besonderheiten der Versorgungssituation in Deutschland angepasst wird.[15]

 

UCUM: Das Kodiersystem Unified Code for Units of Measure (UCUM) bildet auf der Grundlage von 7 Basiseinheiten physikalische Maßeinheiten auch aus Medizin und Pharmazie in standardisierter Form ab. Der seit 1999 international eingesetzte Industriestandard wird vom Regenstrief Institute in englischer Sprache herausgegeben. IT-Anwendungen zur medizinischen Dokumentation tauschen mit UCUM Messergebnisse basierend auf dem SI-Einheitenstandard eindeutig aus.[16]

 

ABDA: In den ABDA-Datenbanken sind umfassende Daten und Fakten zu Arzneimitteln enthalten. Ausgehend beispielsweise vom Namen oder vom Wirkstoff eines Arzneimittels lassen sich Informationen über Anwendung und Zusammensetzung, Risiken und Wechselwirkungen sowie aktuelle Meldungen recherchieren.

Es gibt sechs ABDA-Datenbank-Module:

  1. ABDA - Aktuelle Infos
  2. ABDA - Fertigarzneimittel
  3. ABDA - Hersteller/Vertreiber
  4. ABDA - Interaktionen
  5. ABDA - Stoffe
  6. ABDA - Wirkstoffdossiers

Zugriff auf die ABDA-Datenbanken beim DIMDI haben nur nichtärztliche Fachkreise. Dazu zählen sonstige Angehörige der Heilberufe oder des Heilgewerbes, Einrichtungen, die der Gesundheit von Mensch und Tier dienen, oder sonstige Personen, soweit sie mit Arzneimitteln, Medizinprodukten, Verfahren, Behandlungen, Gegenständen oder anderen Mitteln erlaubterweise Handel treiben oder in Ausübung ihres Berufes anwenden (§ 2 HWG).[17]

 

UMLS: Das Unified Medical Language System (UMLS) enthält medizinische Bezeichnungen und semantische Beziehungen zwischen ihnen. Die Bezeichnungen stammen aus etwa 100 heterogenen begrifflichen Ordnungssystemen und medizinischen Nomenklaturen in zurzeit 15 Sprachen. Dieses ehrgeizige Projekt wurde Ende der achtziger Jahre von der US National Library of Medicine (NLM) begonnen. Das Projekt will die verschiedenen begrifflichen Ordnungssysteme semantisch anreichern und miteinander verknüpfen und hilft so, konzeptuelle Links zwischen Benutzeranfragen und relevanten Fachinformationen zu erstellen und heterogene Online-Informationssysteme besser zu erschließen. Das UMLS führt die Bebeichnungen aus den Einzelvokabularien zu einem zusammen. Die Konzepte des Metathesaurus sind in einem semantischen Netzwerk verknüpft. Die Bezeichnungen speisen ein linguistisches Lexikon, das zusammen mit einem Bündel an Sprachverarbeitungsroutinen als Specialist Lexicon enthalten ist.[18]

 

MeSH: Der MeSH (Medical Subject Headings) ist ein polyhierarchischer, konzeptbasierter Thesaurus (Schlagwortregister). Er dient zum Katalogisieren von Buch- und Medienbeständen, zum Indexieren von Datenbanken und zum Erstellen von Suchprofilen.Die deutschsprachige Fassung des aktuellen MeSH kann kostenfrei im Downloadcenter des DIMDI heruntergeladen werden; der Download der englischen Originalfassung der US National Library of Medicine (NLM) ist kostenfrei möglich auf den Webseiten der NLM. Der MeSH wird von der NLM herausgegeben. Sie kooperiert weltweit mit nationalen Einrichtungen, die als MEDLARS-Zentren vor allem den Zugang zu landessprachlichen Übersetzungen des MeSH sicherstellen. Das Verzeichnis internationaler MEDLARS-Zentren der NLM gibt Ihnen Hinweise über die Verbreitung des MeSH in anderen Sprachen.[19]

 

Heil- und Hilfsmittelverzeichnis: Der GKV-Spitzenverband erstellt gemäß § 139 SGB V ein systematisch strukturiertes Hilfsmittelverzeichnis und (gleichzeitig handelnd als GKV-Spitzenverband der Pflegekassen) als Anlage dazu ein Pflegehilfsmittel-Verzeichnis. In dem Verzeichnis sind von der Leistungspflicht der Kranken- und Pflegekassen umfasste Hilfsmittel aufgeführt. Das Hilfsmittelverzeichnis gliedert sich in Anlehnung an das jeweilige Therapieziel in 33 unterschiedliche Produktgruppen. Das Pflegehilfsmittel-Verzeichnis besteht aus weiteren sechs Produktgruppen.[20]

 

Alpha-ID: Die Alpha-ID ermöglicht es, medizinische und alltagssprachliche Diagnosenbezeichnungen zu kodieren, stellt also Diagnosenkodes zur Verfügung. 2005 als Prototyp vom DIMDI herausgegeben basiert die Alpha-ID auf dem Alphabetischen Verzeichnis zur ICD-10-GM. Jedem Eintrag des Alphabets ist eine fortlaufende, stabile, nichtsprechende Identifikationsnummer zugeordnet: der Alpha-ID-Kode. Er identifiziert den Eintrag eindeutig und übernimmt somit die Funktion eines nichtklassifizierenden Diagnosenkodes. Die Alpha-ID repräsentiert die vollständige Information des jeweiligen Eintrags, ist aber in der elektronischen Kommunikation leichter austauschbar als nichtstandardisierter Klartext. Sie bietet damit Diagnosenkodes für mehr als 77.000 differenzierte Diagnosenbezeichnungen, denen jeweils auch der passende ICD-10-GM-Kode zugeordnet ist.[21]

 

PZN/PPN: Die PZN ist der bundeseinheitliche Identifikationsschlüssel für Artikel im Apothekensektor. Aufgrund ihrer vielseitigen Verwendung kommt der PZN im Pharma-/Apothekenmarkt eine zentrale Bedeutung zu. Jede PZN identifiziert einen Artikel (Handelsform) bestimmter Bezeichnung und Packungsgröße eines bestimmten Anbieters. Wenn zur Unterscheidung von anderen Artikeln erforderlich, werden weitere Kriterien wie Darreichungsform, Farbe, Form, Größe etc. als artikelidentifizierende Merkmale herangezogen. PZN rationalisieren die artikelbezogene Kommunikation der Handelspartner und der im Gesundheits- wesen tätigen Organisationen. Eine exklusive Rolle spielt die PZN für die Abrechnung der Apotheken mit den gesetzlichen Krankenkassen. Die betroffenen Spitzenverbände der Apotheken und Krankenkassen haben sich gemäß § 300 SGB V vertraglich geeinigt, bei der Arzneimittelabrechnung die PZN als Identifikationsschlüssel zu verwenden. Zu diesem Zweck übertragen die Apotheken die PZN der zu Lasten der GKV abgegebenen Produkte maschinenlesbar auf die Verordnungsblätter. Der Handel nutzt PZN für Bestellung, Fakturierung, Logistik und für das Lagerwesen. Hierbei dienen PZN als Artikel-/Bestellnummern in (elektronischen) Bestellaufträgen zwischen Industrie, pharma- zeutischen Großhandlungen und Apotheken, auf Lieferscheinen und Rechnungen. Sie unterstützen die Tourenplanung und -verfolgung, die Identifikation der gelieferten Waren beim Wareneingang und im Warenlager. Zur maschinellen Lesung und Weiterverarbeitung der Daten spielt die Codierung eine zentrale Rolle.[22]

 

Bereich eCommerce Klassifikationen und Kataloge

Name Relevanz Cluster
ecl@ss 8.0   3 EC
GHX 1 EC
Medical Columbus 1 EC
GPC (GS1) 3 EC
CPV 3 EC
UNSPSC 2 EC
HBS 1 EC
GSG 1 EC
Hauskatalog KH 1  
HIBC 3 EC
GMDN 3 EH, EC
UMDNS 3 EH, EC
EDMA 3 EH, EC

Tabelle 2: eCommerce Kataloge/Klassifikationen für das TMS

 

Für den Bereich der eCommerce-Terminologien werden die folgenden Terminologien mit der Relevanz 3 (hoch) bewertet, welche zwingend in das TMS implementiert werden müssen:

  • ecl@ss 8.0
  • GPC (GS1)
  • CPV
  • HIBC
  • GMDN
  • UMDNS
  • EDMA

 

Eine Verwendung dieser Standards im TMS ergibt sich insbesondere aus der umfassenden Literaturanalyse, der Befragungsergebnisse im Rahmen des Projektes Standard eCG sowie der Expertenmeinung. Die wichtigsten Fakten der zutreffenden Kataloge und Klassifikationen werden an dieser Stelle kurz erläutert:

 

ecl@ss: eCl@ss ist ein branchenübergreifende Produktdatenstandard für die Klassifizierung und eindeutige Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen. eCl@ss hat sich als einziger ISO/IEC-normenkonformer Industriestandard national und international durchgesetzt. Über die klassischen Anwendungen in Beschaffung, Controlling und Vertrieb hinaus zeigt eCl@ss mit dem Release 8.0 seine besondere Stärke im Einsatz für das unternehmensübergreifende Prozessdatenmanagement und im Engineering. eCl@ss ist in der Industrie, im Handel, im Handwerk, bei Lebensmitteln, Dienstleistungen u.v.m. seit dem Jahr 2000 etabliert. eCl@ss deckt mit seinen 39.000 Produktklassen und 16.000 Merkmalen einen Großteil der gehandelten Waren und Dienstleistungen ab.[23] ecl@ss basiert in seinen Strukturen und Inhalten als einziger internationaler Klassifikationsstandard auf dem normenkonformen Datenmodell gemäß ISO 13584-42 und IEC 61360-2 („Industrial Automation Systems and Integration - Parts Library“ abgekürzt PLIB), das in Deutschland als DIN EN 61360-2 veröffentlicht ist.

Seit dem Release 7.0 liegen die Ergebnisse der Harmonisierungsbemühungen mit ETIM (Elektro-Technisches Informations-Modell), proficl@ss und PROLIST vor und sind in den jeweiligen Versionen implementiert worden.

 

GPC (GS1): Die Global Product Classification ist eine weltweit gültige Klassifikation, mit der Handelsgüter international verständlich und detailliert eingeordnet werden können. Sie ist wichtiges Bindeglied für die global vernetzten Stammdatenpools im Global Data Synchronisation Network (GDSN). Die Vielzahl von Warenbereichen ist hierarchisch in vier Ebenen gegliedert. Die ersten drei Ebenen sind in Segmente, Familien und Klassen unterteilt. Auf der vierten Ebene (Baustein/Brick) sind zusätzliche Eigenschaften der Produkte festgelegt, um die Warengruppe weiter zu beschreiben.[24]

 

CPV: Die Common Procurement Vocabulary -Nomenklatur schafft ein einheitliches Klassifikationssystem für das öffentliche Beschaffungswesen, durch das die Referenzsysteme vereinheitlicht werden sollen, die von den öffentlichen Auftraggebern verwendet werden, um den Gegenstand des Beschaffungsauftrags zu beschreiben. Die CPV-Nomenklatur besteht aus einem Hauptteil, der den Auftragsgegenstand definiert, und einem Zusatzteil zur Ergänzung weiterer qualitativer Angaben. Der Hauptteil beruht auf einer Baumstruktur, die Codes von bis zu 9 Ziffern (einen Code aus 8 Ziffern plus eine Prüf-Ziffer) umfasst, denen eine Bezeichnung zugeordnet ist, die die Art der Lieferungen, Bauarbeiten oder Dienstleistungen beschreibt, die den Auftragsgegenstand darstellen. In der Europäischen Union ist die Verwendung der CPV-Klassifikation ab dem 1. Februar 2006 obligatorisch.[25]

 

HIBC: HIBC steht für „Health Industrie Bar Code“ ist aber auch das Synonym für den Mitgliederverband. Hinter HIBC steht EHIBCC-D als die Mitgliedervertretung des "European Health Industry Business Communication Council" für die deutschsprachigen Länder. Von hier aus wird der Support für die Anwender des "Health Industrie Bar Code (HIBC)" und der Automatischen Identifikation im Gesundheitswesen geleistet. EHIBCC ist als Non-Profit-Organisation eine internationale Vereinigung, um einheitliche und weltweite Standards für automatische Datenkommunikation für Industrie und Gesundheitswesen zu entwickeln und zu fördern. Ob mit Barcode, 2D Code oder RFID - HIBC Standards sichern heute Produktidentifikation, Rückverfolgung und Prozesssicherheit weltweit. Die Zielsetzung ist die Verbreitung unverwechselbarer Methoden, die als IT-Module für die Rückverfolgbarkeit von Produkt und Prozess zu Einsatz kommen. Die Lösungen decken die Versorgungskette vom Hersteller über den Handel bis zu Labor, Praxis und Klinik ab. Die Aktivitäten beinhalten die Standardisierung bewährter und neuer Methoden für das Erreichen von fehlerfreien Prozessen mit Blick auf die beiden Erfolgsfaktoren: Effizienz & Patientensicherheit. Verband und technisches Komitee arbeiten eng mit dem EURODATA COUNCIL, dem DIN und ISO und mit fachlich fokussierten Verbänden, wie BPI, BVD, SPECTARIS, VDDI und anderen zusammen. Der EHIBCC übernimmt die Betreuung der technischen Belange auch in Liaison zu den Fachgruppen der Normalisierungsinstitute in DIN, CEN & ISO und steht dazu auch den Anwendern in den Kliniken und den anderen Gesundheitseinrichtungen direkt zur Verfügung.[26]

 

GMDN: Finanziert als Projekt der Europäischen Kommission, entwickelte das Europäische Komitee für Normung (CEN) die Global Medical Device Nomenclature.[27] GMDN ist ein internationales Bezeichnungssystem für Medizinprodukte, die zur Diagnose, Prävention, Monitoring, Behandlung oder zur Linderung von Krankheiten oder Verletzungen beim Menschen zum Einsatz kommen. Zweck der GMDN ist die Bereitstellung einer Datenbank mit allen Begriffen zur Benennung von Medizinprodukten. Die Datenbank wird insbesondere von Gesundheitsbehörden und Regulatoren, Anbietern von Gesundheitsleistungen, medizinischen Geräteherstellern und Lieferanten zur Unterstützung der Patientensicherheit benutzt. Verwendet wird die GMDN für den Datenaustausch zwischen Herstellern, Aufsichtsbehörden und Gesundheitsbehörden. Außerdem werden Daten über Vorkommnisse mit Medizinprodukten codiert, sowie wird die GMDN für die Unterstützung der Bestandskontrolle in Krankenhäusern eingesetzt. Darüber hinaus findet die GMDN bei der Unterstützung des Einkaufs und des Supply Chain Managements Anwendung. Verwaltet wird die GMDN von der GMDN Agency, welche eine Non-Profit-Organisation ist.[28] Der Standard löst die bisher in Europa verwendete Klassifikation UMDNS (Universal Medical Device Nomenclature System) und EDMA (European Diagnostic Manufacturers Association) ab. Ein Umsteigeschlüssel verknüpft Teile von GMDN und UMDNS, um größere Umstellungsprobleme für die Industrie zu vermeiden.[29]

 

UMDNS: Die Nomenklatur „Universal Medical Device Code“ wurde vom ECRI (Emergency Care Research Institute) in den USA entwickelt und vom emtec e.V. (Institut für Beratung, Fortbildung und Technologien im Gesundheitswesen) ins Deutsche übertragen und bearbeitet. Dabei handelt es sich um die Übersetzung des Product Categories Thesaurus (1996) des UMDNS. Die deutschsprachigen Versionen gibt das DIMDI im Auftrag des Bundesminis-teriums für Gesundheit heraus. 1996 wurde die Version 1.0 in Deutschland eingeführt und seit 1998 kann auch mit der Version 1.1 verschlüsselt werden. UMDNS wird zur Verschlüsselung von Medizinprodukten verwendet und umfasst im Wesentlichen alle Medizinprodukte und Produkte aus verwandten Bereichen, z.B. Krankenhausmöbel. Das Medizinproduktegesetz fordert für die Anzeige von Medizinprodukten eine einheitliche Nomenklatur. Dafür ist bis auf Weiteres die deutschsprachige Version 1.0 und 1.1 zu verwenden. Bis eine einheitliche europäische Nomenklatur vorliegt, wird der UMDNS vom Europäischen Komitee für Normung (CEN) für die Verschlüsselung von Medizinprodukten im Rahmen gesetzlicher Aufgaben empfohlen. Die erweiterte Version 1.1. enthält vollständig und unverändert alle deutschen Hauptbegriffe der Version 1.0. Zusätzlich wurden deutsche Synonyme für Be-zeichnungen von Medizinprodukte ergänzt, um dem Anwender das Suchen nach relevanten UMDNS-Hauptbegriffen zu erleichtern.[30] Die UMDNS-Klassifikation wird solange als offizielles Bezeichnungssystem in Deutschland verwendet, bis eine deutsche Übersetzung der GMDN vorliegt und zur Verschlüsselung von Medizinprodukten eingesetzt werden.[31]

 

EDMA: Die European Diagnostic Manufacturers Association ist eine internationale Non-Profit Organisation mit Sitz in Brüssel. Hauptaufgabe der Organisation ist die Vertretung der In-vitro Diagnostik Industrie. Die EDMA repräsentiert über 500 Firmen.[32] Zur Verschlüsselung von In-vitro-Diagnostika wird im deutschen Medizinprodukte-Informationssystem die von der EDMA herausgegebene In-vitro-Diagnostic Product Classification verwendet. Zweck der In-vitro-Diagnostic Product Classification ist es, alle einzelnen In-vitro-Diagnostika Produkte die derzeit auf dem Markt erhältlich sind aufzuzeichnen.[33] Mittlerweile hat die EDMA eine neue IVD-Produkt-Klassifikation herausgegeben, die Global IVD Products Classification. Jedoch wird diese im Medizinprodukte-Informationssystem nicht mehr zum Einsatz kommen, da als Nachfolger der älteren EDMA-Klassifikation die GMDN sein wird.[34]

 

Einzelnachweise

  1. SUMO. Suchmaschinenoptimierung- Glossar. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://www.sumo.de/definition-semantische-analyse.html
  2. Bointner, Duftschmid. Semantische Interoperabilität im elektronischen Gesundheitsdatenaustauschmittles dualer Modellierung-Der HL7 Templates-Ansatz. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://www.meduniwien.ac.at/msi/mias/papers/Duftschmid2008a.pdf
  3. 3,0 3,1 Wichert, R.; Graf, H.; Tazari, M. Ambient Intelleigence, V§ Interoprabilität. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://www.gris.tu-darmstadt.de/teaching/courses/ws1011/ambient/slides/101103_v3_Systems%20and%20Interoperability/101103_v3_Systems%20and%20Interoperability.pdf
  4. Oemig, F. Neue ontologiebasierte Produkte zur Unterstützung semantischer Interoperabiliät. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://www.informatik.hs-mannheim.de/kis/lu/vortraege/WS1_Oemig_22062007.pdf
  5. Saft, M. Terminologie-Management-Systeme. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von https://www.parson-europe.com/de/wissensartikel/terminologie-management-systeme
  6. Parson. Terminologie-Management-Systeme. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von https://www.parson-europe.com/de/wissensartikel/terminologie-management-systeme
  7. HL7. HL7 Wiki, Product CTS. Abgerufen am 07. Februar 2013 von http://wiki.hl7.org/index.php?title=Product_CTS
  8. Thun, Sylvia. Funktionale Anforderungen an Common Terminolgy Services. Abgerufen am 07. Februar 2013 von http://www.eh-cc.de/wp-content/html/agdgi/down/KIS-2008_04_Thun.pdf
  9. 3M. HL7 Common Terminology Services (CTS). Abgerufen am 07. Februar 2013 von http://www.3mtcs.com/resources/hl7cts
  10. Mayo Clinic. HL7 Common Terminology Services. Abgerufen am 07. Februar 2013 von http://informatics.mayo.edu/LexGrid/downloads/CTS/specification/ctsspec/cts.htm
  11. Solbrig, Harold. Common Terminology Services Edition 2. Abgerufen am 07. Februar 2013 von http://www.omg.org/news/meetings/workshops/SOA-HC/presentations-2011/13_SC-3_Solbrig.pdf
  12. DIMDI. ICD 10 GM. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/
  13. DIMDI. OPS. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von https://www.dimdi.de/static/de/klassi/ops/
  14. IHTSDO. International Health Terminology Standards Development Organization. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://www.ihtsdo.org/
  15. DIMDI. ATC/DDD. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/atcddd/
  16. [12] Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „Quelle16“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert.
  17. DIMDI. ABDA-Datenbanken. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/amg/abda/index.htm
  18. DIMDI. UMLS. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/mesh_umls/umls/index.htm
  19. DIMDI. MeSH. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/mesh_umls/mesh/index.htm
  20. GKV-Spitzenverband. Hilfsmittelverzeichnis. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/home.action
  21. DIMDI. Alpha-ID. Abgerufen am 14. Dezember 2013 von https://www.dimdi.de/static/de/klassi/alpha-id/
  22. IFA. Pharmazentralnummer (PZN). Abgerufen am 14. Dezember 2013 von http://www.ifaffm.de/de/ifa-gmbh/pharmazentralnummer.html
  23. ecl@ss. Der ecl@ss-Standard. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://www.eclass.de/eclasscontent/standard/overview.html.de
  24. GS1. Produktklassifikation (GPC). Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://www.gs1-germany.de/gs1-standards/klassifikation/produktklassifikation-gpc/
  25. SIMAP. CPV. Abgerufen am 13. Dezember 2013 von http://simap.europa.eu/codes-and-nomenclatures/codes-cpv/codes-cpv_de.htm<
  26. EHIBCC. Was ist HIBC. Abgerufen am 14. Dezember 2013 von http://www.hibc.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2&Itemid=2&lang=de
  27. DIMDI. GMDN-Global Medical Device Nomenclature. Abgerufen am 10. April 2014 von http://www.dimdi.de/static/de/mpg/thesauri/gmdn/index.html
  28. GMDN-Agency. GMDN Database. Abgerufen am 08. April 2014 von https://www.gmdnagency.com/Info.aspx?pageid=1091
  29. DIMDI. GMDN-Global Medical Device Nomenclature. Abgerufen am 10. April 2014 von http://www.dimdi.de/static/de/mpg/thesauri/gmdn/index.html
  30. DIMDI. UMDNS. Abgerufen am 10. April 2014 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/umdns/index.htm
  31. DIMDI. GMDN-Global Medical Device Nomenclature. Abgerufen am 10. April 2014 von http://www.dimdi.de/static/de/mpg/thesauri/gmdn/index.html
  32. EDMA. About us. Abgerufen am 10. April 2014 von http://www.edma-ivd.be/index.php?page=About-Us
  33. DIMDI. EDMA-Klassifikation für In-vitro-Diagnostika. Abgerufen am 15. April 2014 von https://www.dimdi.de/static/en/mpg/thesauri/edma/
  34. DIMDI. EDMA-Klassifikation für In-vitro-Diagnostika. Abgerufen am 10. April 2014 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/edma/index.html