ICD-10-GM

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Herkunft und Erscheinungsjahr

Die International Classification of Diseases (ICD) ist eine Diagnoseklassifikation, die ihren Ursprung im bereits 1893 veröffentlichten internationalen Todesursachenverzeichnis (International List of Causes of Death ILCD) hat. Dieses behielt seinen Namen bis zur 6. Revision 1948, die eine Erweiterung des Todesursachenverzeichnisses mit Krankheiten und Verletzungen mit sich brachte, und so zur Internationalen Klassifikation der Krankheiten, Verletzungen und Todesursachen (ICD-6) unter Federführung der damals gegründeten WHO umbenannt wurde. Ziel war es, das Klassifizieren zu erleichtern und Morbiditäts- und Mortalitätsstatistiken besser vergleichen zu können. [1]

Verwendungszweck

Die ICD-10-WHO, in der unveränderten Übersetzung aus der englischsprachigen WHO-Version, ist eine amtliche Diagnoseklassifikation und dient in Deutschland seit dem 1. Januar 1998 vor allem zur Todesursachenverschlüsselung. Sie bildet die Grundlage für eine international vergleichbare amtliche Todesursachenstatistik.[2]

Die ICD-10-GM (German Modification), die seit 2000 in Deutschland angewandt wird, ist eine an das deutsche Gesundheitssystem angepasste Version der internationalen ICD-10-WHO. Sie ist die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung in Deutschland gem. §295 und §301 SGB V und bildet somit die Grundlage zur Leistungsabrechnung nach DRG und EBM und zur Leistungsfinanzierung der Krankenkassen über den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA). Zusammen mit den nach OPS kodierten Prozeduren dienen die nach ICD-10-GM kodierten Diagnosen der gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätssicherung der Krankenhäuser. Desweiteren sind Vertragsärzte verpflichtet, die Diagnose nach ICD-10-GM auf den für die Krankenkasse bestimmten Durchschlag zu verschlüsseln. Dies dient zum einen der Prüfung des Krankengeldanspruches und zum anderen der beim BMG geführten Jahresstatistik KG8 über AU-Fälle und AU-Tage nach Krankheitsarten von GKV-Versicherten.[3][4]

Über die ICD-10-GM hinaus gibt es eine Vielzahl nichtamtlicher Spezialausgaben der ICD-10 für medizinische Fachgebiete, wie z.B. die "Internationale Klassifikation psychischer Störungen". Sie dient vor allem zur Dokumentation und Berichtserfassung in psychotherapeutischen, psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken.[5]

Das DIMDI gibt die ICD-10-GM und die ICD-10-WHO im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit heraus.

Aktuelle Version

Seit dem 1. Januar 2018 ist die ICD-10-GM in der Version 2018 anzuwenden.


Seit ihrer Entstehung wird die ICD in unregelmäßigen Abständen aktualisiert und in größeren Abständen grundsätzlich revidiert. Im Mai 1990 wurde die 10. Revision verabschiedet und kam ab 1994 in den WHO-Mitgliedsstaaten zum Einsatz. Die 11. Revision soll frühestens 2017 zum Einsatz kommen. Desweiteren erfolgt für die deutsche Version eine jährliche Anpassung durch Vorschlagsverfahren beim DIMDI, die internationale Version wird ebenfalls auf Vorschlagsbasis der anwenden Länder weiterentwickelt, sodass derzeit die Version 2015 genutzt wird. [6][7]

Internationale und nationale Verwendung

Die ICD-10 der WHO ist die international am häufigsten eingesetzte Diagnosenklassifikation, vor allem zur Mortalitätskodierung.[8]

Aufbau (mit Beispielen)

Die ICD-10 ist eine monohierarchische alphanumerische Klassifikation mit bis zu fünf Hierarchieebenen (Kapitel, Gruppen, Kategorien, vier- bzw. fünfstellige Subkategorien):

Das systematische Verzeichnis der ICD-10 hat 22 Kapitel. Den Kernbereich bilden dabei die organspezifischen Krankheiten. In den Kapiteln 3 bis 14 werden Erkrankungen, die keinem bestimmten Organ zugeordnet werden können, in eigenen Kapiteln zusammengefasst. Die Kapitel sind in Gruppen und die Gruppen in dreistellige Kategorien unterteilt. Diese können weiterhin vier- oder fünfstellige Subkategorien enthalten, was an einer Punkt-Strich-Notation des Dreistellers zu erkennen ist. Kodes, die keine Subkategorien haben, werden als endständige Kodes bezeichnet.

Abbildung 1: Aufbau ICD-10

Das zentrale Element des systematischen Verzeichnisses der ICD-10 ist die dreistellige Kategorie, der Dreisteller. Die Überschrift der Kategorie wird als Klassentitel bezeichnet, dem Klassentitel ist ein dreistelliger alphanumerischer Kode zugeordnet. Einige der dreistelligen Kategorien stehen für einzelne Krankheitszustände, meistens werden jedoch in einer dreistelligen Kategorie mehrere Krankheiten mit gemeinsamen Merkmalen zusammengefasst.

Die vierte und fünfte Stelle im Kode werden durch einen Punkt vom Dreisteller getrennt. Sie können jeweils die Werte 0 bis 9 haben, nicht alle Werte müssen jedoch besetzt sein. Mit 8 und 9 endende Subkategorien sind in der Regel Restgruppen. 8 steht für "sonstige näher bezeichnete" und 9 für "nicht näher bezeichnete" Zustände dieser Subkategorie. Grundsätzlich sollte so spezifisch wie möglich kodiert werden. D.h., wenn es innerhalb der Kategorie Subkategorien gibt, sind diese zu verwenden. Vier- und Fünfsteller, die explizit in der Systematik genannt sind, heißen präkombinierte Kodes. Es gibt aber auch postkombinierte Kodes, die vom Kodierer anhand von Kodierhinweisen gebildet werden müssen.

Bsp. Dreisteller bzw. Viersteller:

Abbildung 2: Beispiel Drei- und Viersteller

Im Normalfall wird in der ICD jede Krankheit unter einem einzigen Gesichtspunkt klassifiziert, d.h. es wird genau einem Kode zugeordnet. Im sog. Kreuz-Stern-System können Krankheiten unter zwei Gesichtspunkten klassifiziert werden, nämlich nach Ätiologie und Manifestation. Der Krankheit wird dann eine Kombination aus einer Kreuzschlüsselnummer für die Ätiologie, welche als Primärkode dient, und einer Sternschlüsselnummer für die Manifestation, als Sekundärkode, zugeordnet. In der deutschen Modifikation gibt es darüber hinaus auch Ausrufezeichenschlüsselnummern. Das sind optionale Kodes, die als Sekundärkodes dazu dienen, den Primärkode zu spezifizieren.

Bsp. Kreuz-Stern-Notation:

Datei:ICD 10 2.png
Abbildung 3: Beispiel Kreuz-Stern-Notation

Desweiteren beinhaltet das systematische Verzeichnis der ICD-10 gelegentlich Definitionen zu dem im Klassentitel bezeichneten Krankheitsbild, Ein- bzw. Ausschlussvermerke zur Darstellung der Krankheiten (Inklusiva bzw. Exklusiva), die in die bestimmte Kategorie gehören bzw. nicht gehören sowie Hinweise, also weitere Informationen zu einem Kode.[9][10]

Bsp. Definition u. Inkl.:

Abbildung 4: Beispiel Definition und Inklusiva

Das alphabetische Verzeichnis besteht aus einer umfangreichen Sammlung verschlüsselter Diagnosen und anderer Bezeichnungen mit integrierter Tabelle der Neubildungen. Es ist viel umfassender als das systematische Verzeichnis, da für den Inhalt der Kategorie sogenannte Vorzugsbezeichnungen verwendet werden. Das zugehörige Alphabet dagegen enthält neben diesen Vorzugsbezeichnungen auch viele andere gebräuchliche Diagnosenbezeichnungen, also z.B. Synonyme. Andererseits sind jedoch nicht alle Diagnosentexte bzw. Kodes, die in der Systematik enthalten sind, auch im Alphabet enthalten. Grundsätzlich sollten Verschlüsselungen, die dem Alphabet entnommen wurden, anhand von Systematik und Regelwerk überprüft werden.[11]

Lizenzkosten

Die Referenzfassungen der ICD-10 sind als PDF-Download kostenfrei. Maschinenlesbare und weiterverarbeitbare Dateien sind ab Herausgabe der Dateien bis Ende Juni kostenpflichtig. Je nach Format liegen hier die Kosten zwischen 10€ für HTML-Dateien und 490€ für ODT-Dateien. Ab Anfang Juli sind alle Dateien der jeweiligen Jahresversion kostenfrei.

Der Download als XML-Datei kostet 20€. Die Grundlage stellt das Standardformat ClaML dar. Dies ist eine spezielle XML-Notation für Klassifikationen, die nach ISO 13120 genormt ist.[12]

Einzelnachweis

  1. DIMDI. DIMDI Klassifikationen, Terminologien, Standards ICD-10-WHO Historie und Ausblick. Abgerufen am 04. Oktober 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/historie/ilcd-icd10/index.htm
  2. DIMDI. Klassifikationen, Terminologien, Standards ICD-10-WHO. Abgerufen am 04. Oktober 2013.] http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/index.htm
  3. DIMDI. Klassifikationen, Terminologien, Standards ICD-10-GM. Abgerufen am 04. Oktober 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/index.htm
  4. DIMDI. Klassifikationen, Terminologien, Standards ICD-10-GM Anwendung. Abgerufen am 04. Oktober 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/anwendung/zweck/au-bescheinigung/index.htm
  5. DIMDI. Klassifikationen, Terminologien, Standards » ICD-10-WHO. Abgerufen am 04. Oktober von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/index.htm
  6. WHO. WHO International Classification of Diseases (ICD). Abgerufen am 04. Oktober 2013 von http://www.who.int/classifications/icd/en/
  7. DIMDI. Klassifikationen, Terminologien, Standards ICD-10-WHO. Abgerufen am 04. Oktober 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/index.htm
  8. DIMDI. Klassifikationen, Terminologien, Standards » ICD-10-WHO. Abgerufen am 04. Oktober 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/index.htm
  9. DIMDI. Klassifikationen, Terminologien, Standards » ICD-10-GM Aufbau der Systematik. Abgerufen am 05. Oktober 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/systematik/systematik.htm
  10. DIMDI. DIMDI Basiswissen Kodieren. Abgerufen am 02. Oktober 2013 https://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/downloadcenter/ops/basiswissenkodieren/basiswissen-kodieren-2010.pdf
  11. DIMDI. Klassifikationen, Terminologien, Standards ICD-10-GM Alphabet. Abgerufen am 05. Oktober 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/alphabet/index.htm
  12. DIMDI. ICD-10 Formate und Kosten. Abgerufen am 05. Oktober 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/formate/index.htm