BMEcat

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Herkunft und Erscheinungsjahr

BMEcat ist ein XML-basierter Standard zur Übertragung elektronischer Produktkataloge. Er wurde auf Initiative des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), in enger Zusammenarbeit mit Fraunhofer IAO sowie der Universität Essen und der Universität Linz, entwickelt und basiert auf den Erfahrungen der Anwender und der Mitarbeit in internationalen Standardisierungsinitiativen. Die erste Version 1.0 erschien im November 1999.[1]

Verwendungszweck

Alle Partner im elektronischen Geschäftsverkehr (Lieferanten, einkaufende Unternehmen und Marktplätze) tauschen vermehrt große Datenmengen aus und stoßen hier auf Grenzen durch die unterschiedlichsten Datenaustauschformate. Ein Katalog, der mit dem BMEcat-Standard in elektronischer Form zusammengestellt wird, ermöglicht die Einbindung von multimedialen Produktdaten, beispielsweise Bildern, Grafiken, technischen Dokumenten, Gebrauchsanweisungen, usw. Er unterstützt mehrsprachige Kataloginhalte und ebenso mehrere Währungen. Das BMEcat-Format ist folglich nicht auf materielle Produkte beschränkt, sondern kann auch zur Beschreibung von Software, Dienstleistungen, Rechten, Informationsgütern, digitalen Produkten usw. eingesetzt werden. Bei BMEcat handelt es sich um ein originäres (eigenständiges) Katalogaustauschformat für multimediale Produktkataloge. Es wird heute vor allem eingesetzt, wenn sogenannte C-Güter für elektronische Beschaffungssysteme bereitgestellt werden sollen. Der Einsatz des BMEcat reduziert die Kosten bei allen beteiligten Unternehmen erheblich, da auf Standardschnittstellen zurückgegriffen werden kann und die bilateralen Abstimmungen minimiert werden. Der BMEcat schafft die Basis für die einfache Übernahme von Katalogdaten aus den unterschiedlichsten Formaten und insbesondere die Voraussetzungen, um den Warenverkehr zwischen Unternehmen im Internet voranzubringen. Er erfüllt die Anforderungen internationaler Märkte, nicht zuletzt weil er auch komplexe verkaufs- und einkaufsseitige Anwendungsszenarien abbilden kann. BMEcat wird in einem kontrollierten und neutralen Prozess systematisch und marktorientiert weiter entwickelt und stützt sich dabei auf internationale praxisbezogene und wissenschaftliche Kooperationen. Der Katalogstandard besitzt eine hohe Kompatibilität zu DIN ISO 13584.[2][3][4]

Aktuelle Version

Zurzeit liegt der BMEcat in der Version 2005 vor. In BMEcat 2005 wird ergänzend zu der weitgehend entkoppelten Katalogerstellung beim Lieferanten und der anschließenden Katalognutzung beim einkaufenden Unternehmen die engere Integration beider Geschäftspartner unterstützt. Dies kommt in dem Begriff Integrated Procurement Point (IPP) zum Ausdruck: Der einkaufsseitig genutzte Katalog bietet erweiterte Funktionen, um lieferantenseitige Informationen abzufragen oder lieferantenseitige Systeme aufzurufen. Dabei stehen folgende IPP-Anwendungen zur Verfügung:

  • Externer Katalog
  • Produktanfrage
  • Preisanfrage
  • Verfügbarkeitsanfrage
  • Angebotsanfrage[5][6]

Internationale und nationale Verwendung

Eine Vielzahl von Unternehmen wenden heute BMEcat an und tauschen ihre Produktkataloge mit diesem Standard aus. BMEcat hat bislang seine größte Verbreitung im deutschsprachigen Raum, jedoch wird durch die Verwendung der neuesten Version und der Unterstützung durch vielfältige Organisationen und Institute der Ausbau des weltweiten Einsatzes angestrebt. Dies lässt eine weitere Etablierung des Standards zu.[7]

Aufbau (mit Beispielen)

BMEcat-Katalogdokumente werden in XML, der "eXtensible Markup Language", kodiert. XML ist der De-facto-Standard für den Datenaustausch im Internet und wird durch das World Wide Web Consortium entwickelt. XML ermöglicht es, in einem Katalogdokument Strukturen und Daten gleichzeitig zu kodieren. Das BMEcat-Format unterscheidet dabei Muss- und Kann-Felder. Muss-Felder sind XML-Elemente, die in einer BMEcat-konformen XML-Datei innerhalb des umschließenden Kontextes auftreten müssen. Kann-Felder sind XML-Elemente, die in einer BMEcat-konformen XML-Datei innerhalb ihres Kontextes auftreten können. Ein Katalogdokument ist dann BMEcat-konform, wenn es alle Muss-Felder und keine anderen als die definierten Kann-Felder in der angegebenen Reihenfolge und mit der vorgeschriebenen Kardinalität enthält.

Jedes gültige Katalogdokument im BMEcat-Format wird mit dem Wurzelelement BMECAT eingeleitet und besteht aus einem Kopfteil (HEADER) und einem Transaktionsteil (T_NEW_CATALOG, T_UPDATE_PRODUCTS oder T_UPDATE_PRICES). Der Kopfteil steht am Anfang des Katalogdokumentes und enthält globale Daten, die für alle Arten des Katalogdatenaustausches gelten, wie zum Beispiel Angaben zum Lieferanten oder Informationen zu einem Rahmenvertrag, der zwischen dem einkaufenden Unternehmen und dem Lieferanten bestehen kann. Transaktionen bestimmen, welche Teile eines Kataloges mit dem Katalogdokument übertragen werden und wie diese Daten im Zielsystem zu verarbeiten sind. Der Transaktionsteil spezifiziert somit, welche Teile des Produktkataloges (z.B. kompletter Produktkatalog oder nur die Preisaktualisierung) übertragen werden sollen:

Abbildung 1: Aufbau BMEcat

Der Produktbereich dient zur Übertragung der produktbezogenen Daten. Diese unterteilen sich in mehrere Bereiche, u.a. der Produktidentifikation (Artikelnummer des Lieferanten), den Produktdetails (Kurz- und Langbeschreibung, weitere Artikelnummern, Hersteller, Schlagworte, Einkaufsinformationen, usw.), Produktmerkmale (Merkmale und Werte, Klassifizierung, usw.), Bestellinformationen (z.B. Bestelleinheit, Mindestbestellmenge), Preisinformationen (Betrag, Währung, Einheit, Mengenintervalle, usw.), Multimediale Daten (z.B. Produktabbildungen), Produktreferenzen, Logistikdaten und Konfigurationsdaten.

Im BMEcat-Format werden Basis-, Aufzählungs- und spezielle Datentypen unterschieden. Datentypen bestimmen das Format und den Bereich der Werte für die in BMEcat definierten Elemente. Jedem atomaren Element wird genau ein Datentyp zugeordnet. Die Verwendung von Datentypen ermöglicht es, die zulässige Befüllung der Elemente genau zu beschreiben. Die Basisdatentypen definieren gängige und häufig verwendete Feldformate, wie z.B. Zeichenketten, Ganzzahlen, Ja/Nein-Werte usw. Weiterhin werden zahlreiche Aufzählungsdatentypen verwendet, die auf internationalen Standards beruhen. Ein Aufzählungsdatentyp definiert sich über eine Menge von zulässigen Zeichenketten. Ist einem Element ein Aufzählungsdatentyp zugewiesen, so kann dieses Element nur einen Wert aus der Menge der zulässigen Werte annehmen.[8]

Lizenzkosten

BMEcat ist bezüglich der reinen Verwendung kostenfrei und steht auf der angegebenen Website der Organisation zum Download zur Verfügung. Damit verbundene Dienstleistungen, wie die Zertifizierung der richtigen Verwendung oder die Übertragung der Produktdaten in das gewünschte Katalogaustauschformat unter Zuhilfenahme eines Dienstleisters, verursachen jedoch Kosten. Die Zertifizierung von Katalogen ist bislang nur für BMEcat bekannt. Lieferanten erwerben damit ein Prüfsiegel für ihren Katalog, welches ein nach außen sichtbares Qualitätsmerkmal darstellt.[9]

Einzelnachweis

  1. BMEcat. eBusiness Standardization Committee. Abgerufen am 26. Juli 2013 von http://www.bmecat.org/deutsch/index.asp?main=Ueber&pid=
  2. BMEcat. eBusiness Standardization Committee. Abgerufen am 26. Juli 2013 von http://www.bmecat.org/deutsch/index.asp?main=Ueber&pid=
  3. PROZEUS. Prozeus Prozesse und Standards. Abgerufen am 26. Juli 2013 von http://www.prozeus.de/imperia/md/content/prozeus/broschueren/pro_brochure_katalogaustausch.pdf
  4. Schmitz, Volker; Leukel, Jörg; Kelkar, Oliver. Spezifikation BMEcat 2005. Abgerufen am 26. Juli 2013 von http://www.phoenixcontact.com/assets/downloads_ed/local_de/web_dwl_technical_info/bmecat_2005.pdf
  5. BMEcat. eBusiness Standardization Committee. Abgerufen am 26. Juli 2013 von http://www.bmecat.org/deutsch/index.asp?main=Ueber&pid=
  6. Schmitz, Volker; Leukel, Jörg; Kelkar, Oliver. Spezifikation BMEcat 2005. Abgerufen am 26. Juli 2013 von http://www.phoenixcontact.com/assets/downloads_ed/local_de/web_dwl_technical_info/bmecat_2005.pdf
  7. BMEcat. eBusiness Standardization Committee. Abgerufen am 26. Juli 2013 von http://www.bmecat.org/deutsch/index.asp?main=Ueber&pid=
  8. Schmitz, Volker; Leukel, Jörg; Kelkar, Oliver. Spezifikation BMEcat 2005. Abgerufen am 26. Juli 2013 von http://www.phoenixcontact.com/assets/downloads_ed/local_de/web_dwl_technical_info/bmecat_2005.pdf
  9. PROZEUS. Prozeus Prozesse und Standards. Abgerufen am 26. Juli 2013 von http://www.prozeus.de/eBusiness/standards/katalogaustausch/bmecat/index.html