Analyse nationaler und internationaler Standards

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Einleitung

Im Rahmen der Analyse der Voraussetzungen für den Datenaustausch zwischen verschiedenen Akteuren des Gesundheitswesens wurden insbesondere national, aber auch international genutzte e-Standards auf theoretischer Ebene analysiert. Die Ergebnisse der Untersuchung werden in diesem Wiki präsentiert und sollen interessierten Unternehmen und Personen die Möglichkeit bieten, sich zu informieren!

Nach wie vor existiert eine Fülle von branchenspezifischen sowie branchenübergreifenden-e-Standards. Auch in der absehbaren Zukunft wird es keine vollständige Homogenität in der e-Standardlandschaft geben, eine Harmonisierung wäre allerdings wünschenswert. Die national etablierten e-Standardformate kommen international häufig kaum zum Einsatz. Daher erscheint es gegenwärtig sinnvoll, sich auf die Aspekte der Kompatibilität und Interoperabilität von vorhandenen nationalen Lösungen zu konzentrieren.[1]

Auch im deutschen Gesundheitswesen existiert eine Vielzahl an unterschiedlichen e-Standards, die den Datenaustausch zwischen den Akteuren regeln. Darüber hinaus kommuniziert innerhalb dieser Branche eine hohe Anzahl von Lieferanten mit sehr vielen, unterschiedlich strukturierten Gesundheitseinrichtungen. In kaum einer anderen Branche existieren derart viele und heterogene IKT-Systeme. Weiterhin ist die Artikelvielfalt der einzelnen Akteure im Gesundheitswesen ausgesprochen groß. Die Kommunikation der Akteure wird zusätzlich dadurch erschwert, dass es kein einheitliches und standardisiertes System von Schnittstellen gibt.

Gerade im Gesundheitswesen können durch die vielfältigen e-Standards und verschiedenartige Terminologien Fehler entstehen. Fehlende, falsche oder nicht eindeutige Informationen können zu Fehlentscheidungen führen, die in letzter Konsequenz Menschenleben gefährden. Die zu vereinbarenden e-Standards und deren konsequenter Einsatz entlang eines strukturierten Behandlungspfades sind die Basis für eine suffiziente und sichere elektronische Kommunikation zwischen den direkt und indirekt an der Behandlung beteiligten Gesundheitsdienstleistern.

Die International Organization for Standardization definiert einen Standard als ein Dokument, das sich als Konsens bewährt hat und von anerkannter Stelle bestätigt wurde. Ein Standard bietet für den allgemeinen und wiederholten Gebrauch Regeln und Leitfäden.[2] Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob es sich um Standards aus der Industrie, herstellerspezifische oder offene Standards handelt. Allen gemeinsam ist, dass es eine Vielzahl von ihnen gibt. Andrew S. Tannenbaum bemerkte es treffend: „The nice thing about standards is that there are so many to choose from”.[3]

In diesem Wiki wird eine Bestandsaufnahme der internationalen und nationalen Standards durchgeführt; der Fokus liegt dabei auf den beim Bestellprozess im Gesundheitswesen relevanten Standards. Die nicht ausreichend verzahnten Sektoren des Gesundheitswesen arbeiten, mit unterschiedlichen Lösungen, die in dieser Wissensdatenbank abgebildet werden.


Methodik

Um einen möglichst genauen Überblick über vorhandene und anerkannte Standards insbesondere im Gesundheitswesen darzustellen, wurde zur Bestandsaufnahme folgende Methodik angewendet:

  • Internetrecherche
  • Sichtung von anerkannten Projekten zu diesem Thema
  • Identifikation und Kontaktieren wichtiger Ansprechpartner durch Diskussion mit Projektpartnern und -beteiligten
  • Informationen aus Kongress-Vorträgen
  • Literaturrecherche
  • Auswertung von eCG-Projekt-Fragebögen

Auf europäischer Ebene besteht seit 2008 das durch die Europäische Kommission finanzierte Projekt „Pan-European Public Procurement OnLine (PEPPOL)“, welches sich zum Ziel gesetzt hat, den grenzüberschreitenden Zugang zu und die Interoperabilität zwischen bestehenden eProcurement Communities auf das gesamte europäischen Gebiet zu erweitern. Der Zugang soll durch eine standardbasierte IT-Infrastruktur zur Datenübertragung und die Interoperabilität durch standardisierte, elektronische Dokumentformate ermöglicht werden. [4]

Auf deutscher Ebene besteht seit 2002 das durch das BMWi finanzierte Projekt „integrierte PROZESSE Und etablierte eBusiness-Standards (PROZEUS)”, welches sich zum Ziel gesetzt hat, durch integrierte Prozesse und Standards die eBusiness-Kompetenz kleiner und mittelständischen Unternehmen zu unterstützen und zu fördern. Im Bereich des Gesundheitswesens konnten diesbezüglich bereits erste Akzente [5] [6] gesetzt werden.[7]

Ein weiteres relevantes Projekt, welches durch die Europäische Union und das Bundesland Nordrhein-Westfalen gefördert wird, ist das seit 2009 bestehende Projekt “Patientensicherheit & Procurement-Prozesse (e-med PPP)”[8], welches sich zum Ziel gesetzt hat, die Logistik-Prozesse für Medikalprodukte in Krankenhäusern zu optimieren, mit Fokus auf Arzneimitteltherapie- und Patientensicherheit. Im Rahmen des Projektes wurden bisher die für die Medikation entscheidenden Teilprozess in Ihrem IST-Zustand analysiert, ein SOLL-Konzept entwickelt.[9]

Weitere Projekte aus dem Bereich Wissensmanagement sind Bestandteil des vom BMWi geförderten Aktionsprogramms der Bundesregierung "iD2010 - Informationsgesellschaft Deutschland 2010" zum Themengebiet "WissensMedia". Hier förderte das BMWi bis 2007 sieben Vorhaben zur Entwicklung und Erprobung von neuen Technologien zum Wissensmanagement in KMU sowie in öffentlichen Verwaltungen und überführte diese mit dem Programm "Fit für den Wissenswettbewerb" in die Praxis. In ausgewählten Modellvorhaben werden in mittelständischen Unternehmen und Handwerksbetrieben WM-Konzepten und -Systemen eingeführt.[10]

Die Ziele des europäischen Projektes epSOS [11] aus dem FP7 Framework der EU umfassen das Ausarbeiten gemeinsamer Definitionen, Dokumentationen und Prozesse für das eRezept, eMedikation und die Patient Summary. Das Projekt wird bestehende nationale Implementierungen verbinden und ihre Kompatibilität testen, wobei Herausforderungen wie semantische Interoperabilität und Datenaustausch zwischen höchst unterschiedlichen nationalen eHealth-Infrastrukturen zu berücksichtigen sind. Ein Teilziel war dabei die Entwicklung und Testung von Pilotsystemen, um Bausteine für zukünftige EU-eHealth-Interoperabilitätsprojekte und -services zu schaffen.

Neben der Sichtung o.g. Projekte wurden insbesondere die Webseiten folgender Institutionen berücksichtigt:

  • International Organization for Standardization (ISO)
  • Deutsches Institut für medizinische Dokumentation (DIMDI)
  • ComitéEuropéen de Normalisation (CEN)
  • Health Industrie Bar Code (HIBC)
  • International Medical Device Regulators Forum (IMDRF)
  • Medicaid Information Technology Architecture (MITA)
  • Health Level Seven International (HL7)
  • GS1 Germany


Darüber hinaus konnten in der Diskussion mit unseren Projektpartnern und -beteiligten wichtige Ansprechpartner auf nationaler und internationaler Ebene identifiziert werden. Diese wurden kontaktiert und konnten einen wichtigen Beitrag zu der Recherche liefern.

Um eine gute Übersichtlichkeit zu gewährleisten, wurden alle analysierten Standards Kategorien zugeordnet. Es werden Standards zur Identifikation, Klassifikation, Transaktion, zum Katalogaustausch und zum Vereinheitlichen von Prozessen unterschieden. Diese Unterteilung wurde aus dem Projekt PROZEUS übernommen.

Die Analyse jedes Standards erfolgt in gleicher Weise: zunächst wird auf die Herkunft und das Erscheinungsjahr eingegangen. Danach folgen Angaben zum Einsatzgebiet, zur aktuellen Version, der internationalen und nationalen Verwendung und zum syntaktischen Aufbau anhand von Beispielen. Weiterhin werden eventuell mit einer Nutzung verbundene Lizenzkosten betrachtet.

In der folgenden Tabelle finden Sie die Anzahl der im Wiki bearbeiteten Standards mit Beispielen, gegliedert in die erläuterten Kategorien.

Kategorie Anzahl Beispiele
Identifikationsstandards 26 GLN, GTIN, PPN, HIBC, ISO/IEC 15459
Klassifikationsstandards 13 eCl@ss, OPS, ICD10, SNOMED CT
Transaktionsstandards 6 EANCOM, HL7, IHE
Prozessstandards 2 BPMN 2.0, SCOR
Katalogaustauschstandards 4 BMEcat, PRICAT, GS1 XML CIN

Einzelnachweis

  1. PROZEUS. E-Business-Standards in Deutschland. Abgerufen am 23. Januar 2013 von http://www.prozeus.de/imperia/md/content/prozeus/broschueren/prozeus_studie_rz_web.pdf
  2. Collaborative Research for Effective Diagnostics. Joint Initiative for Global Standards Harmonization - Health Informatics Document Registry and Glossary. Abgerufen am 25. Januar 2013 von http://www.skmtglossary.org/GenericSearch.aspx
  3. Quantz, Joachim; Wichmann, Thorsten. E-Business-Standards in Deutschland. Abgerufen am 25. Januar 2013 von http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/E/e-business-standards-endbericht,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf
  4. PEPPOL. PEPPOL making procurement better.eu. Abgerufen am 02. Dezember 2013 von http://www.peppol.eu/
  5. Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH. Vitaminspritze für die Prozesskette – EANCOM und eCl@ss in der Medizintechnik. Abgerufen am 26. Januar 2013 von http://www.prozeus.de/prozeus/daten/broschueren/standards/prozeus_doc03402.htm
  6. Schlienz, Andrea. Einsatz von eCl@ss in der Gesundheitsbranche. Abgerufen am 26. Januar 2013 von http://www.prozeus.de/imperia/md/content/prozeus/veranstaltungen/prozeus_km_2011_sana.pdf
  7. PROZEUS. PROZEUS-Projektbeschreibung. Abgerufen am 02. Dezember 2013 von http://www.prozeus.de/prozeus/info/projekt/index.htm
  8. e-med PPP. Elektronische Optimierung der Logistik-Wertschöpfungsketten in Krankenhäusern. Abgerufen am 02. Dezember 2013 von http://e-medppp.de/
  9. Gabriel, Roland et al. eProcurement und Supply Chain Management im Gesundheitswesen. Abgerufen am 26. Januar 2013 von http://www.user.tu-berlin.de/komm/CD/paper/090131.pdf
  10. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. iD2010-Innovationsstrategie für die Informationsgesellschaft. Abgerufen am 02. Dezember 2013 von http://www.bmwi.de/DE/Presse/pressemitteilungen,did=168932.html
  11. epSOS. epSOS-the European eHealth Projekt. Abgerufen am 02. Dezember 2013 von http://www.epsos.eu/