ATC/DDD

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Herkunft und Erscheinungsjahr

Das Anatomisch Therapeutisch Chemische Klassifikationssystem ATC wurde 1976 durch die European Pharmaceutical Market Research Association (EPhMRA) entwickelt, vom Nordic Council on Medicines als Methode für Studien über den Arzneimittelverbrauch in Skandinavien eingesetzt und 1990 von der WHO offiziell herausgegeben. Seit 2004 gibt das DIMDI die amtliche Fassung der ATC-Klassifikation mit definierter Tagesdosis (DDD) gemäß §73 Abs. 8 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit heraus.

Verwendungszweck

Die ATC-Klassifikation teilt Wirkstoffe nach dem Organ oder Organsystem, auf das sie einwirken, ein. Sie gilt nicht für Handelspräparate. Darüber hinaus werden die Wirkstoffe nach ihren chemischen, pharmakologischen und therapeutischen Eigenschaften in verschiedene Gruppen eingeteilt. DDD steht für Defined Daily Dose und gilt für die den Wirkstoffen zugeordnete definierte Tagesdosis. Diese DDD ist die angenommene mittlere tägliche Erhaltungsdosis für die Hauptindikation eines Wirkstoffes bei Erwachsenen. Es handelt sich hierbei um eine rein rechnerische Größe, die im Einzelfall nichts mit der empfohlenen Tagesdosis zu tun hat.

Aktuelle Version

Die ATC-Klassifikation wird jährlich aktualisiert und tritt jeweils zum 01. Januar in Kraft. Bei der Weiterentwicklung der Klassifikation lässt sich das DIMDI beraten durch eine Arbeitsgruppe beim Kuratorium für Fragen der Klassifikation im Gesundheitswesen. Hier sind die maßgeblichen Fachkreise vertreten. Derzeit ist die amtliche deutsche ATC/DDD Klassifikation 2015 in Kraft.

Die WHO gibt die internationale aktuelle Version ATC/DDD Index 2015 heraus. Änderungswünsche müssen per Antrag beim WHO-Zentrum eingereicht werden. Eine Liste der neuen Codes wird auf der WHO Collaborating Centre for Drug Statistics Methodology veröffentlicht.

Internationale und nationale Verwendung

Die WHO gründete 1982 das WHO Collaborating Centre for Drugs Statistics Methodology in Oslo, Norwegen als zentrale Koordinationsstelle für die Anwendung und Fortschreibung. 2001 wurden die internationalen Richtlinien für die ATC-Klassifikation und der Index der WHO erstmals ins Deutsche übersetzt. Grundlage für die amtliche Fassung der Klassifikation in Deutsch ist die internationale ATC/DDD Klassifikation der WHO in Englisch, die einmal jährlich aktualisiert wird.

Da sich zeigte, dass ein Bedarf für ein international standardisiertes ATC/DDD System als Basis für Untersuchungen zum Arzneimittelverbrauch bestand, wurde das WHO Zentrum 1996 dem WHO-Hauptquartier in Genf unterstellt. Das Europabüro der WHO empfiehlt seit 1981, in internationalen Untersuchungen zum Arzneimittelverbrauch das ATC/DDD System anzuwenden.

Im internationalen System werden bei der Benennung eines Codes internationale Freinamen bevorzugt. Andernfalls werden amerikanische oder britische Bezeichnungen verwendet. Soweit die seitens der WHO vorgeschlagenen Namen auch im deutschen Sprachraum Verwendung finden, werden diese übernommen. Falls dies nicht der Fall ist, werden die Bezeichnungen gemäß der bevorzugten Nomenklatur des aktuellsten Version der Pharmazeutischen Stoffliste gewählt.

Die hohe Verbreitung sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene zeigt den hohen praktischen Nutzen der ATC-Klassifikation.

Aufbau (mit Beispielen)

Die Klassifikation enthält fünf Ebenen. Die erste Ebene enthält 14 Hauptgruppen, die zweite Ebene pharmakologisch/therapeutische Untergruppen. Die Ebenen drei und vier sind chemisch/pharmakologische/therapeutische Untergruppen und die fünfte Ebene benennt den chemischen Wirkstoff. Die Notation erfolgt alphanummerisch und ist siebenstellig:

Abbildung 1: Ebenen ATC/DDD

©Georg Thieme Verlag KG Stuttgart, New York, „Kostenvergleich für Arzneimittel auf Basis von DDD im Rahmen der Vertragsärztlichen Versorgung“ (2009)

Ein Arzneimittel kann mehr als einen ATC-Code erhalten, wenn es in zwei oder mehr Dosierungsstärken oder Zubereitungen mit eindeutig unterschiedlicher therapeutischer Anwendung verfügbar ist. Z.B. Acetylsalicylsäure:

  • B01AC06 (Antithrombotische Mittel)
  • N02BA01 (Analgetika und Antipyretika).

Lizenzkosten

Das DIMDI bietet die ATC/DDD Klassifikation als PDF-Datei zum kostenfreien Download auf ihrer Homepage an. Eine maschinenlesbare Excel-Datei kann über die Website des WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) herunterladen werden. Bei Unstimmigkeiten ist die PDF-Datei des DIMDI maßgeblich.[1][2][3][4]

Einzelnachweis

  1. DIMDI. Klassifikationen, Terminologien, Standards, ATC/DDD. Abgerufen am 03. Februar 2013 von http://www.dimdi.de/static/de/klassi/atcddd/index.htm
  2. WHO Norwegian Institute of Pulbic Health. ATC/DDD Structure and Principles. Abgerufen am 03. Februar 2013 von http://www.whocc.no/atc/structure_and_principles/
  3. WIdO. WIdO Wissenschaftliches Institut der AOK. Abgerufen am 03. Februar 2013 von http://www.wido.de/arz_atcddd-klassifi.html
  4. Fricke, Uwe; Zawinell Anette. Anatomisch-therapeutisch-chemische Klassifikation mit Tagesdosen für den deutschen Arzneimittelmarkt gemäß §73 Abs. 8 Satz 5 SGB V. Abgerufen am 03. Februar 2013 von http://www.wido.de/fileadmin/wido/downloads/pdf_arzneimittel/wido_arz_atc-beschluss_1107.pdf